Interbus

Reisen zwischen Herkunft und Heimat


Mit dem Fernbus von Mannheim in die Welt. Dieses Datenvisualisierungsprojekt soll veranschaulichen wie angebotene Fernbusfahrten mit dem Migrationshintergrund der Mannheimer Bürger zusammenhängen.

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Intro


In einer europäischen Union, deren Identität maßgeblich von grenzüberschreitender Mobilität definiert wird, stellen die Verbindungen von der alten zur neuen Heimat die durch Migranten gepflegt werden, einen spannenden Einflussfaktor auf lokale Gegebenheiten dar. Besonders im Fernverkehr liegt die Vermutung nahe, dass durch solche Verbindungen in umliegende Länder das Nutzungsverhalten von Fernverkehrsmitteln beeinflusst wird. Insbesondere Heimatbesuche könnten ein Grund für höheren Bedarf an Verbindungen in die Heimatländer der Menschen sein.

Die Stadt Mannheim ist mit seinen 317.744 Einwohner die drittgrößte Stadt in Baden-Württemberg und gilt als kulturelles Zentrum in der Region und ist bekannt als Migrationshotspot in Südwestdeutschland.

Hier leben Menschen aus 166 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen und machen als Einwohner mit Migrationshintergrund laut einer Datenerhebung* vom 31.12.2015 ingesamt 43,6% der Mannheimer Bürger aus. Diese Zahl liegt weit über dem bundesdeutschen Schnitt von 21%. Den mit Abstand größten Anteil machen in Mannheim dabei Bürger mit türkischer Herkunft aus, gefolgt von Polen, Italienern, Bulgaren und Rumänen.

Durch die gute Verkehrsanbindung Mannheims an Fernverkehrsstrecken und seine relativ zentrale Lage in Europa eignet sich die Stadt besonders gut als Ausgangspunkt für Reisen mit dem Fernbus, was sich bereits in einem breiten Angebot an Fahrten äußert. Gibt es aber einen Zusammenhang zwischen den angebotenen Fernbusverbindungen und der Herkunft der Mannheimer Bürger? Gibt es häufiger Verbindungen in Länder, die potentiell für Heimatbesuche prädestiniert sind, oder spielen solche lokalen Faktoren vielleicht gar keine Rolle bei der Planung des Fahrtenangebots?

Wir haben versucht, diese Fragestellungen mit Hilfe der tatsächlich angebotenen Fernbusverbindungen zu untersuchen und die daraus entstandenen Ergebnisse zu visualisieren. Der Fokus liegt dabei auf den vier Nationalitäten mit dem höchsten Anteil an Mannheims ausländischer Bevölkerung. Bedingt durch die geografische Lage der Türkei eignet sie sich allerdings weniger gut für Fernbusreisen, weshalb sie im Folgenden nicht gesondert betrachtet wird.

Bevölkerung von Mannheim






Als Basis für die folgenden Untersuchungen lohnt es sich einen Blick auf die Zusammensetzung der Mannheimer Bürger zu werfen. Der Bevölkerungsteil mit Migrationshintergrund setzt sich aus vielen verschiedenen Nationalitäten zusammen, von welchen wir für eine genauere Betrachtung die Herkunftsländer Polen, Italien, Rumänien und Bulgarien ausgewählt haben. Diese waren, nach der Türkei, die Länder aus denen die meisten Migranten stammen.

Obwohl die Türkei mit Abstand das häufigste Herkunftsland für Mannheimer Migranten ist, haben wir uns dazu entschlossen dieses Land nicht gesondert zu betrachten, da durch die große Entfernung zu Deutschland das Verkehrsmittel Fernbus nur eine untergeordnete Rolle im Reiseverkehr von und zur Türkei spielt. Spannend an den vier ausgewählten Ländern ist, dass es sich sowohl um direkte Nachbarländer Deutschlands handelt, als auch um verhältnismäßig weit entfernte Staaten. Alle befinden sich jedoch innerhalb der europäischen Union und sind per Bus erreichbar.

Visualisierung


Für das Projekt interbus haben wir über mehrere Wochen die Daten aller Fernbusverbindungen, die aus Mannheim starten aufgezeichnet.
Die Visualisierungen beschränken sich auf den Zeitraum vom 16. Dezember 2016 bis zum 13. Januar 2017, da wir möglichst genaue Aussagen anhand der Daten treffen wollten.

Bei der Auswahl der miteinbezogenen Städte waren die Hauptkriterien die Einwohnerzahl, die Bedeutung als Urlaubsort oder eine Rolle als Verkehrsknotenpunkt in der jeweiligen Region. Insgesamt belief sich die Auswahl schlussendlich auf 133 Städte in 31 Ländern und es wurden 6160 angebotene Fahrten erfasst.

Wir haben betrachtet, ob es eine direkte Fernbusverbindung in die jeweilige Stadt gibt, über die genaue Route des Busses hatten wir keinerlei Informationen. Ob ein Bus mehrere Städte in einem Land anfährt oder nicht konnten wir daher nicht ausschließen.

Die angegebene Distanz zur Stadt ist konsistent die kürzeste anzunehmende Fahrtstrecke, ohne die Berücksichtigung von möglichen Umwegen durch Zwischenstops.


Fahrtenradar

Die folgende Visualiserung ist angelehnt an einen Radar und zeigt Entfernung und die Anzahl der Verbindungen in die jeweiligen Städte von Mannheim aus. Die 4 ausgewählten Länder sind farblich hervorgehoben.







Fahrtenverlauf


Erkenntnis


Insgesamt wurden im Rahmen dieses Projekts, über einen Zeitraum von 4 Wochen, 6160 Verbindungen in 133 Städte erfassst und ausgewertet. Aufgrund der zentralen Lage Mannheims, ist die Aufteilung der angefahrenen Städte innerhalb Europas gleichmäßig.

Sehr auffällige ist, dass die meisten Fahrten in einem Radius von 1050km verlaufen. Bezogen auf unsere These, ob der Migrationshintergrund der Mannheimer Bevölkerung einen Einfluss auf die Fernbusverbindungen hat, lässt sich anhand der erfassten Daten, keinerlei Aussage treffen.

Des Weiteren wird die intuitive Annahme bestätigt, dass sich eine Häufung an Fahrten vor und nach den Feiertagen (Weihnachten, Neujahr und Heilige-Drei-Könige) feststellen lässt.

Team


Lisa Rudolf

Josua Geiger

Markus Frindt

Nicole Mrasek

Philip Dombrowski

Das Projekt INTERBUS entstand im Rahmen der Vorlesung Grundlagen der Datenvisualisierung an der Hochschule Mannheim im Wintersemester 2016/2017 und stand unter dem Motto Urbane Ebenen. Die Betreuung wurde von Prof. Dr. Till Nagel übernommen.